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Mainframe AI: Mythen, Behauptungen und die Realität


03. 03. 2026
Overview

Aktuelles zur Konferenzplanung, Modernisierung, moderner COBOL-Entwicklung, zPDT und Enterprise AI im eigenen Unternehmen. Lesen Sie mehr und diskutieren Sie mit.


Liebe Mainframe-Community,


während die Vorbereitungen für die Mighty Mainframe Conference Fahrt aufnehmen drehen sich dabei alle Gespräche naturgemäß um das Thema Mainframe-Modernisierung.



In den jüngsten Gesprächen hob Martin Pluschke, Head of IT bei der NÜRNBERGER Versicherung, die Herausforderung hervor, fachliche Anforderungen in eine sinnvolle technische Architektur zu übersetzen. Das gilt besonders, weil KI-getriebener Wandel und Rechenzentrumssouveränität langfristige Strategien weiter prägen.



Mark Wilson, Technical Director bei Vertali, bringt es auf den Punkt: “Sicherheitsaspekte müssen Vorrang in der Transformation bekommen.” Ob neue AI-Agenten in bestehende Mainframe-Umgebungen integriert oder hybride Architekturen neu gedacht werden: Wer modernisiert – ohne zuvor die eigene Sicherheitslage zu stärken – kann Angriffsflächen und Risiken vergrößern.



Aus der Projektpraxis bringen Henri Kuiper, CTO und Co-Founder der Mainframe Society, sowie Joseph Westman jahrzehntelange Modernisierungserfahrung aus technischen und operativen Kontexten mit. Sie zeigen, warum Modernisierung nie “nur ein Softwareupdate” ist, wie technische Einschränkungen mit organisatorischen Erwartungen zusammenhängen und warum Teile einer Organisation häufig an traditionellen Setups festhalten. Ihre Sessions versprechen einen ausgewogenen Blick darauf, was Mainframe-Evolution wirklich antreibt oder bremst.



Nicht verpassen sollten Sie außerdem Nassim Nicholas Talebs Keynote auf der QED. Die Session bietet eine anregende Auseinandersetzung mit Risiko, Stabilität und Denken mit Langfristperspektive: Themen, die der Mainframe-Community sehr vertraut sind.

Anthrophic vs. COBOL

Anthropic hat einen Blogartikel veröffentlicht. Die IBM-Aktie fiel kurz darauf deutlich. Die Geschichte kennen Sie wahrscheinlich bereits, oder? Die Links dazu finden Sie unten in den Branchen-News.



Ich will hier keinen Beitrag über Schwankungen am Aktienmarkt oder über Anlegerpsychologie schreiben. Aber war der IBM-Abverkauf übertrieben? Ja,… vermutlich.



Ich will auch keine Diskussion starten darüber, wieso in Diskussionen alte Stories recycelt werden. Claude Code und viele andere LLMs können COBOL schon seit einiger Zeit sehr ordentlich verarbeiten. Und ja, COBOL ist weiterhin für die Funktionsfähigkeit von Geldautomaten notwendig. Auch das ist nicht neu.



Der Anthropic-Blog spricht schließlich über das Verstehen (oder vielleicht sogar Migrieren?) von COBOL-Programmen. Die Mainframe-Welt hingegen dreht sich jedoch vor allem um Performance, Stabilität, Sicherheit und Robustheit. COBOL als Programmiersprache ist nur ein kleiner Teil dieses deutlich größeren Bildes.


Anthropic vs IBM image story



Ich habe mich gefragt, warum Anthropic diese Geschichte überhaupt veröffentlicht hat. Vor allem, weil IBM und Anthropic erst vor wenigen Monaten eine strategische Partnerschaft angekündigt hatten, mit Claude-Modellen in Project Bob als sichtbarstem Ergebnis. Auf den ersten Blick ergab es wenig Sinn, einen Partner zu “attackieren”, der sich auf eine sehr spezifische Nische konzentriert, während man sich selbst eher als Generalist positioniert. Ehrlich gesagt glaube ich auch nicht, dass Anthropic absichtlich etwas tun würde, das das Mainframe-Geschäft gefährden könnte.



Dann dachte ich: Vielleicht war es schlicht ein Ausrutscher des Anthropic-Medienteams. Sie konkurrieren mit OpenAI, Google und anderen und möchten ihre breite Leistungsfähigkeit zeigen. Vielleicht ist die IBM-Partnerschaft in der Eile einfach aus dem Blick geraten.



Oder ist es am Ende nur etwas Friendly Fire in der Welt der Coopetition?



Bei CROZ sind wir mit Anthropic Claude grundsätzlich sehr zufrieden. Mehr dazu in diesem Beitrag. Gleichzeitig sehen wir, dass das Mainframe-Ökosystem extrem komplex ist. Modernisierung ist nicht nur eine Frage der Technologie. Entscheidend ist auch, wer sie durchführt und wie sie umgesetzt wird. KI kann dabei definitiv helfen. Wir glauben aber nicht, dass reine Codeübersetzung die Wunderlösung ist.

WCA4Z 2.8.X: Das Fundament für Project Bob

watsonx Code Assistant for Z (WCA4Z) Version 2.8.x wirkt wie IBMs letzter substanzieller Schritt vor Project Bob. Und er ist deutlich mehr als nur ein weiterer “agentenbasierter Wrapper”. Im Kern steht “Z Understand”, eine Metadatenschicht, die Abhängigkeiten abbildet und Impact-Analysen über Anwendungen hinweg ermöglicht, auch über den aktuellen Workspace hinaus. Dieser strukturierte Kontext fließt anschließend in einen Multi-Agenten-Flow ein, der Refactoring und Codegenerierung unterstützt, ohne die gesamte Codebasis in einen einzelnen Modellkontext zu stopfen.



Z Code Scan ergänzt eine praxisnahe Governance-Schicht, indem Enterprise-Coding-Standards sowohl in Findings als auch in generiertem Code verankert werden. Die entscheidende Frage bleibt die Zuverlässigkeit in echten Produktionsumgebungen. Das Multi-Model-Setup, bei dem Mistral agentenbasierte Workflows übernimmt und Granite an anderer Stelle eingesetzt wird, zeigt jedoch einen pragmatischen Ansatz. Eine detaillierte technische Einordnung und eine kritische Bewertung der Bedeutung vor Project Bob finden Sie in Philipp Kremlings Blog ().

Branchen News

Dies ist der ursprüngliche Blog von Anthropic, der die ganze Lawine ins Rollen gebracht hat:

https://claude.com/blog/how-ai-helps-break-cost-barrier-cobol-modernization

Und hier ist die offizielle Antwort von Rob Thomas, Senior Vice President, IBM Software und Chief Commercial Officer:

https://newsroom.ibm.com/blog-lost-in-translation-what-the-ai-code-debate-keeps-getting-wrong

Zu diesem Thema erschienen außerdem zahlreiche Blogs und Medienbeiträge, und auf LinkedIn sowie in anderen sozialen Netzwerken wird intensiv diskutiert.

Spannende Zeiten…

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