Bei der Modernisierung von Legacy-Bankensystemen offenbaren selbst vermeintlich einfache Aufgaben oft erhebliche architekturelle Komplexität. Ein Beispiel dafür zeigte sich in einem Projekt zur Migration der Telnet-Konnektivität von z/VSE zu z/OS. Was zunächst wie eine Routineaufgabe wirkte, führte schnell an die Grenzen der IBM-TN3270-Implementierung.
Die Herausforderung: Ein Port pro Filiale
Im bisherigen z/VSE-Umfeld verfügte jede Bankfiliale, jedes ATM und jedes angeschlossene Remotesystem über einen eigenen dedizierten TCP-Telnet-Port.
Warum? Unter z/VSE diente jeder Port gleichzeitig als Filialkennung, die in den Anwendungen für Authentifizierung, Reporting und weitere Fachprozesse genutzt wurde. Für betriebliche Nachvollziehbarkeit und vollständige Kompatibilität musste dieses 1:1-Port-Mapping auch in der neuen Umgebung erhalten bleiben.
Das bedeutete, auf z/OS über 750 Telnet-Ports nachzubilden – jeweils repräsentativ für Filialcodes, Geldautomaten, Banksysteme oder externe Endpunkte. Dieses Vorgehen reduzierte externe Abhängigkeiten und minimierte Codeanpassungen, erzeugte jedoch gleichzeitig unerwarteten Druck auf den z/OS Communications Server und die TN3270-Serverarchitektur, insbesondere in Bezug auf die Anzahl paralleler Listener-Definitionen.
Port-für-Port-Strategie auf z/OS
Da Änderungen an Applikations- oder Netzwerkarchitektur für den Kunden nicht in Frage kamen, musste das bestehende Modell unverändert unter z/OS abgebildet werden.
Das neue Setup:
- Jeder TN3270-Server erhielt eine Vielzahl von Listener-Ports.
- Jeder Port war einer Logical Unit (LU) oder einem LU-Pool zugeordnet, um Sessions und Terminals zuordnen zu können.
- Filial- und Remotesysteme nutzten weiterhin identische IP-/Port-Kombinationen, womit eine vollständige Abwärtskompatibilität sichergestellt wurde.
Technische Limitierungen (laut IBM Documentation)
Im Zuge der Skalierung dieses Ansatzes stießen wir auf feste architekturelle Grenzen in der z/OS-TN3270-Umgebung:
- TN3270-Serverlimit: max. 255 Listener-Ports pro Server
- TCP/IP-Stacklimit: max. 8 TN3270-Server pro TCP/IP-Stack
Theoretisch ergibt sich damit ein Maximum von 2.040 Ports (8 × 255). Praktisch reduzierten Faktoren wie Speicherverbrauch, CSA-Allokation und Performance diese Obergrenze deutlich.
Unerwartbare Go-Live ‘Überraschungen’
Zur Herstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Performance und Stabilität (im Rahmen der genannten architekturellen Limits) wurde das Deployment neu strukturiert:
- Jeder TN3270-Server verarbeitet nun etwa 125 Listener-Ports und liegt damit deutlich unterhalb des serverseitigen Limits.
- Insgesamt sind sieben TN3270-Telnet-Server innerhalb desselben z/OS-TCP/IP-Stacks aktiv, wodurch die mehr als 750 Ports gleichmäßig verteilt werden.
Die CSA-Auslastung stabilisierte sich dadurch, und nach der Anpassung traten keine weiteren Adressraumfehler mehr auf.

Behebung und Stabilisierung
Zur Herstellung eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Performance und Stabilität (im Rahmen der genannten architekturellen Limits) wurde das Deployment neu strukturiert:
- Jeder TN3270-Server verarbeitet nun etwa 125 Listener-Ports und liegt damit deutlich unterhalb des serverseitigen Limits.
- Insgesamt sind sieben TN3270-Telnet-Server innerhalb desselben z/OS-TCP/IP-Stacks aktiv, wodurch die mehr als 750 Ports gleichmäßig verteilt werden.
Die CSA-Auslastung stabilisierte sich dadurch, und nach der Anpassung traten keine weiteren Adressraumfehler mehr auf.
Architecture Overview

Fazit
Was als einfache Portmigration begann, entwickelte sich zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit der Architektur von z/OS TN3270. Durch die Verteilung der Konfiguration auf mehrere Serverinstanzen und eine ausgewogene Lastverteilung der Listener konnte die Umgebung stabilisiert und zuverlässig betrieben werden.
Die zentrale Erkenntnis aus diesem Mainframe Projekt lautet: Skalierungsanforderungen können vermeintlich einfache Herausforderungen schnell komplex werden lassen.
Sorgfältiges Architekturdesign, umfassende Tests und die konsequente Berücksichtigung von Architektur- und Systemlimits bleiben die Grundlage erfolgreicher Modernisierungsvorhaben.
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