Keine Sorge: Dieser Titel war eine bewusste Provokation von Andrey Mitrev (IBM) und Leendert Blondeel (Hogent University) während ihrer zSkills-Session auf der Mighty Mainframe Conference ’26. Die Konferenz zeigte zwei Tage lang genau das Gegenteil: wie modern der Mainframe sein kann, wenn man ihn nicht als Museumsstück behandelt, sondern als das erkennt, was er ist: eine High-Performance-Plattform, geprägt von Jahrzehnten realer Produktionserfahrung.
Modernisierung ist kein Projekt. Sie ist eine Reihe bewusster Entscheidungen.
Der Begriff “Mainframe-Modernisierung” wurde so weit gedehnt, dass er an Bedeutung zu verlieren droht. Je nachdem, wen man fragt, beschreibt er alles vom Verschieben von Workloads in die Cloud bis zum Neuschreiben bestehender Anwendungen. Zu oft bleibt die Diskussion auf Legacy-Technologien wie IMS, COBOL und CICS beschränkt und darauf, was mit ihnen geschehen soll.

Armin Kramer, Head of Mainframe bei CROZ und Gastgeber der Konferenz, gab mit seinem Eröffnungsvortrag “15 (+1) Ways to Reinvent Mainframe Modernization” den Ton vor. Er lenkte die Diskussion weg vom reinen “Upgrade” hin zu bewusster Weiterentwicklung. Statt Modernisierung als einmaliges Projekt zu behandeln, beschrieb er sie als koordiniertes Zusammenspiel von Architektur, Skills, Prozessen, Tooling, Governance und Security. Das “+1” bringt es auf den Punkt: Menschen und Mindset sind die eigentlichen Enabler.
Diese Erkenntnis zog sich durch die gesamte Konferenz: Modernisierung bedeutet nicht, Altes einfach durch Neues zu ersetzen. Es geht darum, alles, was man tut, an dem auszurichten, wohin man sich entwickeln will.
Megalithen, Monolithen und Handwerkskunst. Hmmmm
Joseph Westman zog eine starke Analogie zwischen Mainframes und antiken Megalithen: langlebige Systeme, gebaut für Dauerhaftigkeit, gepflegt von erfahrenen Fachleuten und kontinuierlich erweitert, weil sie weiterhin Wert liefern. Was zunächst abstrakt klingt, wird schnell klar: Systeme, die über Jahrzehnte bestehen, überleben nicht zufällig, sondern durch bewusstes Design. Die eigentliche Lehre ist nicht Ersatz, sondern Evolution: integrieren, anpassen und verbessern, was bereits funktioniert. Dafür braucht es Handwerkskunst.
Ergänzend dazu stellte Henri Kuiper Modernisierungsinitiativen mit grundlegenden Fragen auf den Prüfstand: Was modernisieren wir eigentlich? Lösen wir echte Probleme oder nur wahrgenommene? Verbessern wir Technologie oder verändern wir sie nur? Henri nahm das “hmmm” auf und machte daraus einen Rahmen für bessere Gespräche. Die entscheidende Lektion: genau hinsehen, in welchem Zug man sitzt. Konstante Geschwindigkeit kann leicht mit Stillstand verwechselt werden.
zDevOps: vertraute Praktiken, andere Plattform
Amra Mulisic und Louise Wahlberg von Handelsbanken teilten ihre zDevOps-Reise. Im Mittelpunkt standen Zuverlässigkeit, Wiederholbarkeit und Entwicklungsworkflows, die für Teams, die Veränderungen liefern, wirklich nützlich sind. Sie zeigten, wie moderne Entwicklungspraktiken nahtlos mit COBOL-basierten Systemen funktionieren können. Die wichtigste Erkenntnis war einfach, aber stark: “Modern” definiert sich nicht über die Programmiersprache, sondern darüber, wie Prozesse gestaltet werden.
Security als Ausgangspunkt
Mark Wilson von Vertali brachte eine “Security First”-Perspektive ein. Obwohl der Mainframe oft als hochgradig sichere Plattform gilt, betonte Mark, dass er treffender als sehr gut absicherbar beschrieben werden sollte. Gerade im Zeitalter von KI ist Security nichts, was man später ergänzt; sie muss von Anfang an mitgedacht und gestaltet werden.

Project Polaris und der Blick nach vorn
Fiona King und Tim Reiser von IBM gaben einen Ausblick auf Project Polaris. Dabei war eine klare Neugier und Erwartung spürbar, ohne dass übertriebener Hype nötig gewesen wäre.

Auffällig war nicht nur die Technologie selbst, sondern die Glaubwürdigkeit der vorgestellten Richtung. Polaris wirkte wie eine Roadmap, mit der sich die Community konkret auseinandersetzen kann: greifbar statt rein konzeptionell.
Ein leiseres, aber sehr bedeutendes Thema war die wachsende Nutzung von Infrastructure as Code auf z/OS. Zu sehen waren YAML-basierte Konfigurationen für Systemdefinitionen, verwaltet über Git und kombiniert mit JSON-Schema-Validierung, um Probleme früh zu erkennen.
AI on Z: praktische Anwendung statt Hype
KI war während der gesamten Konferenz präsent. Sie wurde jedoch nicht als isolierte Fähigkeit behandelt, sondern in reale Szenarien integriert.
Zu sehen war eine Pre-Release-Demo des IBM Bob Premium Package for Z, einer IBM-Flagship-Plattform, die nun Mainframe unterstützt. Das wirkt sehr, sehr vielversprechend.

Auf der operativen Seite zeigten Demos, wie agentische KI Workflows über vertraute Tools wie Bob CLI unterstützen kann. Die Betonung blieb klar: KI kann unterstützen, aber Kontrolle und Verantwortung bleiben klar bei den Engineers.
Die Vielfalt der Ansätze, vorgestellt von Philipp Kremling von CROZ sowie Tim McKeoun und Max Rautland von IBM, unterstrich einen wichtigen Punkt: Es gibt nicht die eine “AI solution” auf Z. Was entsteht, ist ein flexibles Ökosystem aus Mustern und Praktiken.
Stabilität als Wettbewerbsvorteil
Martin Pluschke von Nürnberger Insurance hob eine Perspektive hervor, die in Modernisierungsdiskussionen oft übersehen wird: Stabilität zählt weiterhin. Mainframes bieten ein Zuverlässigkeitsniveau, das geschäftskritische Anwendungen über Jahrzehnte laufen lässt. Diese Langlebigkeit zahlt direkt auf den Return on Investment ein. Interessant ist dabei: Während Mainframe-Kosten oft eng überwacht und gut verstanden werden, sind die Gesamtkosten verteilter Umgebungen deutlich schwerer zu beziffern.
KI wird Veränderung nicht führen. Menschen werden es tun.
Mirko Minnich (BETA Systems), Rosalind Radcliffe (IBM) und Armin Kramer (CROZ) schlossen die Konferenz mit einer Paneldiskussion ab. Einer der aufschlussreichsten Momente war die Erinnerung daran, dass KI Veränderung nicht führen kann. Sie kann Arbeit beschleunigen, repetitive Aufgaben reduzieren und helfen, Lösungen effizienter zu erkunden. Aber sie ersetzt weder menschliches Urteilsvermögen noch Erfahrung oder Verantwortung. Adoption ist der entscheidende Punkt: Sie ist ebenso eine kulturelle Herausforderung wie eine technische.

Die eigentliche Konferenz läuft zwischen den Sessions
So stark die formalen Sessions waren, einige der wertvollsten Momente fanden außerhalb des Programms statt. Die gemeinsame Nutzung des Raums mit der QED-Konferenz brachte deren Offenheit und freundliche Atmosphäre mit, die Mighty Mainframe deutlich übernommen hat.
Die informellen Gespräche auf der Terrasse öffneten den Raum für echten Austausch: von schnellen Problemlösungen über ehrliche Reflexionen zu Modernisierungsherausforderungen bis hin zu spontanen Mentoring-Momenten. Wer die ganze Atmosphäre der Mighty Mainframe Conference 2026 erleben möchte, kann sich die vollständige Fotogalerie hier ansehen..
Auch die Community hat das gespürt. Einige Rückmeldungen nach der Konferenz brachten genau auf den Punkt, was die Atmosphäre in diesem Jahr so besonders gemacht hat:
“Ein weiteres Jahr der #MightyMainframe Conference, und wieder wurden die Erwartungen übertroffen. Starkes Line-up, starke Themen und vor allem: starke Menschen.”
Želimir Brkljac
IBM
“Die Energie war etwas Besonderes: ein hervorragend organisiertes Event mit einem Themen-Line-up, das wirklich zum Nachdenken angeregt hat.”
Renata Devcic
Nexi Croatia
Unser Fazit
Ist Mainframe also langweilig und alt?
Nur, wenn man sich entscheidet, alles zu ignorieren, was gerade rundherum passiert.
Was wir in Zadar gesehen haben, war keine Neuerfindung um ihrer selbst willen, sondern eine stetige, vielschichtige Weiterentwicklung über Skills, Tooling, Prozesse, Security-Modelle und KI-gestützte Workflows hinweg.
Die Schlussfolgerung ist stärker als die ursprüngliche Provokation:
Mainframe ist erfahren und entwickelt sich rasant weiter.
Und wenn die diesjährige Konferenz ein Hinweis ist, fühlt sich das nächste “Save the Date” schon jetzt viel zu weit entfernt an. 😊
Falls Sie Fragen haben, sind wir nur einen Klick entfernt.